S355J2 / 1.0577: Datenblatt, Eigenschaften und Bearbeitung

S355J2 ist ein unlegierter Baustahl für Bauteile und Konstruktionen, bei denen eine hohe Festigkeit mit guter Zähigkeit und Schweißbarkeit kombiniert werden soll. Der Werkstoff wird unter der Werkstoffnummer 1.0577 geführt und gehört zu den Baustählen nach DIN EN 10025-2. Charakteristisch sind eine Mindeststreckgrenze von 355 MPa bei geringeren Materialdicken und eine garantierte Kerbschlagarbeit von mindestens 27 J bei −20 °C.

Bei Degler kommt insbesondere S355J2+N im normalisierten beziehungsweise normalisierend warmgewalzten Lieferzustand zum Einsatz. Wir bearbeiten den Werkstoff unter anderem zu Platten, Maschinenbauteilen, Rahmen, Grundplatten, Aufspannplatten und weiteren Zeichnungsteilen: vom Materialzuschnitt über Fräsen, Bohren und Schleifen bis zur CNC-Komplettbearbeitung.

S355J2 Werkstoffdatenblatt

Die konkreten Eigenschaften von S355J2 können je nach Norm, Produktform, Materialdicke und Lieferzustand variieren. Besonders bei den mechanischen Kennwerten ist die Materialdicke zu berücksichtigen, da beispielsweise die garantierte Mindeststreckgrenze mit zunehmendem Querschnitt abnimmt. Für Konstruktion und Bearbeitung sollte daher neben der Werkstoffbezeichnung auch der konkrete Lieferzustand berücksichtigt werden.

Kenndaten zu S355J2

Kenndatum Wert / Einordnung
Werkstoffnummer
1.0577
Werkstoffbezeichnung
S355J2
Werkstoffgruppe
unlegierter Baustahl
Norm
DIN EN 10025-2
frühere Bezeichnung nach DIN 17100
St 52-3 N
Mindeststreckgrenze
bis 355 MPa, abhängig von der Materialdicke
Zugfestigkeit
typischer Normbereich ab 3 mm: 470–630 MPa
Mindest-Kerbschlagarbeit
27 J bei −20 °C
typische Lieferzustände
+AR, +N
Schweißbarkeit
im Allgemeinen für übliche Schweißverfahren geeignet

Chemische Zusammensetzung von S355J2

Die chemische Zusammensetzung von S355J2 ist so ausgelegt, dass mechanische Festigkeit und Schweißbarkeit miteinander kombiniert werden können.

Element 5–30 mm >30–120 mm
C – Kohlenstoff
≤ 0,20 %
≤ 0,22 %
Mn – Mangan
≤ 1,60 %
≤ 1,60 %
Si – Silizium
≤ 0,55 %
≤ 0,55 %
P – Phosphor
≤ 0,025 %
≤ 0,025 %
S – Schwefel
≤ 0,025 %
≤ 0,025 %
Cu – Kupfer
≤ 0,55 %
≤ 0,55 %
Ceq – Kohlenstoffäquivalent
≤ 0,45 %
≤ 0,47 %

Die Werte beziehen sich auf die angegebenen Dickenbereiche und können abhängig von Produktform und Herstellerprogramm abweichen. Das Kohlenstoffäquivalent ist insbesondere für die Beurteilung der Schweißeignung relevant.

Mechanische Eigenschaften von S355J2

Die Bezeichnung „355“ verweist auf die Mindeststreckgrenze von 355 MPa bei geringeren Materialdicken. Mit zunehmender Dicke sinkt der garantierte Mindestwert.

Materialdicke Mindeststreckgrenze Re Zugfestigkeit Rm
5–16 mm
≥ 355 MPa
470–630 MPa
>16–40 mm
≥ 345 MPa
470–630 MPa
>40–63 mm
≥ 335 MPa
470–630 MPa
>63–80 mm
≥ 325 MPa
470–630 MPa
>80–100 mm
≥ 315 MPa
470–630 MPa
>100–120 mm
≥ 295 MPa
450–600 MPa

Für die Güte J2 ist zusätzlich eine Kerbschlagarbeit von mindestens 27 J bei −20 °C festgelegt. Damit unterscheidet sich S355J2 beispielsweise von S355JR mit 27 J bei +20 °C oder S355J0 mit 27 J bei 0 °C. S355K2 weist mit mindestens 40 J bei −20 °C nochmals höhere Anforderungen an die Kerbschlagarbeit auf.

Typische Verwendungsmöglichkeiten

S355J2 verbindet eine vergleichsweise hohe Mindeststreckgrenze mit guter Zähigkeit und Schweißbarkeit. Dadurch kommt der Werkstoff für unterschiedlichste Konstruktionen und mechanisch beanspruchte Bauteile infrage. Bei Degler wird S355J2+N unter anderem für die Platten- und Zeichnungsteilbearbeitung eingesetzt.

Typische Verwendungsmöglichkeiten sind unter anderem:

  • Maschinenplatten und Grundplatten
  • Seiten-, Kopf- und Halteplatten
  • Bauteile für den Maschinen- und Sondermaschinenbau
  • Montage- und Aufspannplatten
  • Rahmen und Maschinengestelle
  • Komponenten für Anlagen- und Apparatebau
  • Vorrichtungsplatten
  • Schweißgestelle und Schweißkonstruktionen
  • weitere mechanische Zeichnungsteile aus Stahl

Behandlungsmöglichkeiten und Wärmebehandlung

Im Gegensatz zu Einsatz- oder Vergütungsstählen wird S355J2 normalerweise nicht ausgewählt, um durch Härten oder Vergüten gezielt hohe Härtewerte zu erreichen. Die aktuelle EN 10025-2 sieht eine nachträgliche Wärmebehandlung der dort geregelten Stähle grundsätzlich nicht als vorgesehenen Regelfall an; ausgenommen sind Produkte im Lieferzustand +N. Spannungsarmglühen ist zulässig.

Behandlung Einordnung
Spannungsarmglühen
möglich, beispielsweise zur Reduzierung von Eigenspannungen
Normalisieren
insbesondere im Zusammenhang mit dem Lieferzustand +N relevant
Härten
keine typische Wärmebehandlung für S355J2
Vergüten
nicht der übliche Einsatzzweck des Werkstoffs

Gerade beim Einsatzhärten ist die Abstimmung von Bearbeitung, Wärmebehandlung und Endbearbeitung entscheidend. Bauteile aus 16MnCr5 werden häufig zunächst spanend bearbeitet, anschließend wärmebehandelt und bei Bedarf geschliffen oder fertigbearbeitet.

Lieferzustände von S355J2: +AR und +N

Neben der eigentlichen Werkstoffbezeichnung ist bei S355J2 der Lieferzustand relevant. Die Zusatzkennzeichen +AR und +N beschreiben, in welchem metallurgischen Zustand das Material geliefert wird.

Bezeichnung Bedeutung
S355J2+AR
wie gewalzt
S355J2+N
normalgeglüht oder normalisierend gewalzt

+AR beschreibt den gewalzten Zustand ohne besondere normalisierende Wärmebehandlung. +N steht dagegen für normalgeglühtes oder normalisierend gewalztes Material. Die Werkstoffnummer bleibt bei S355J2 und S355J2+N 1.0577.

Bei Degler gehört insbesondere S355J2+N (St52-3 normalisiert) zu den gängigen lagerhaltigen Werkstoffen. Das ist vor allem für die Herstellung von Platten und größeren Zeichnungsteilen interessant, bei denen reproduzierbare Materialeigenschaften und eine abgestimmte Bearbeitungsfolge gefordert sind.

Was ist S355J2? Werkstoffbezeichnung, Werkstoffnummer und Werkstoffgruppe

S355J2 ist ein unlegierter Baustahl nach DIN EN 10025-2. Seine Kurzbezeichnung beschreibt bereits wesentliche Werkstoffeigenschaften: Das S steht für Stahl für den allgemeinen Stahlbau, 355 bezeichnet die Mindeststreckgrenze von 355 MPa bei den entsprechenden Ausgangsdicken und J2 kennzeichnet eine garantierte Kerbschlagarbeit von mindestens 27 J bei −20 °C.

Unter der Werkstoffnummer 1.0577 wird S355J2 eindeutig in der Werkstoffsystematik eingeordnet. In älteren Unterlagen findet sich außerdem häufig die Bezeichnung St 52-3 N nach der inzwischen zurückgezogenen DIN 17100. Diese Bezeichnung wird auch heute noch in der Praxis verwendet, sollte bei neuen technischen Spezifikationen jedoch durch die aktuelle Werkstoffbezeichnung und den gewünschten Lieferzustand ergänzt beziehungsweise ersetzt werden.

S355J2 ist kein Werkzeug-, Einsatz- oder Vergütungsstahl. Im Vordergrund stehen vielmehr eine für konstruktive Anwendungen hohe Festigkeit, ausreichende Zähigkeit und gute Schweißeignung. Dadurch eignet sich der Werkstoff sowohl für klassische Stahlkonstruktionen als auch für zahlreiche bearbeitete Maschinenbauteile.

Wofür eignet sich S355J2 / 1.0577?

S355J2 eignet sich für Bauteile, bei denen eine hohe mechanische Belastbarkeit mit einer wirtschaftlichen Fertigung kombiniert werden soll. Der Werkstoff ist besonders für größere Platten, Rahmen und Konstruktionsteile interessant, bei denen neben der Festigkeit auch eine gute Schweiß- und Bearbeitbarkeit gefragt ist.

Wir verarbeiten S355J2+N regelmäßig in der Platten- und CNC-Bearbeitung. Daraus fertigen wir unter anderem Maschinen-, Montage-, Aufspann-, Vorrichtungs- und Grundplatten sowie Rahmen und weitere Bauteile nach Zeichnung.

Auch bei Anwendungen mit niedrigeren Temperaturen kann die J2-Güte relevant sein. Gegenüber S355JR und S355J0 wird die geforderte Kerbschlagarbeit von 27 J bei S355J2 bei einer niedrigeren Prüftemperatur von −20 °C nachgewiesen.

S355J2 / 1.0577 bearbeiten: Unsere Leistungen

Für S355J2+N bieten wir umfangreiche Bearbeitungsmöglichkeiten für Platten, größere Maschinenbauteile und komplexe Zeichnungsteile. Der Werkstoff gehört zu den von uns regelmäßig verarbeiteten Stahlsorten und kann vom Rohmaterial bis zum fertig bearbeiteten Bauteil innerhalb einer abgestimmten Fertigungskette bearbeitet werden.

Passende Leistungen sind unter anderem:

  • Materialzuschnitt und Stahlhalbzeug nach Maß
  • Fräsen von Platten, Rahmen und Zeichnungsteilen
  • Bohren und Tieflochbohren
  • Schleifen von Funktions- und Passflächen
  • 3- bis 5-achsige CNC-Bearbeitung
  • CNC-Komplettbearbeitung nach Zeichnung
  • Bearbeitung großer Stahlplatten und Großteile
  • Herstellung von Maschinen-, Grund-, Montage- und Vorrichtungsplatten
  • Schweißarbeiten und Fertigung von Schweißkonstruktionen
  • Spannungsarmglühen beziehungsweise Vibrationsentspannen bei geeigneten Bauteilen
  • Oberflächenbehandlungen nach Anforderung

Für die Bearbeitung stehen uns unter anderem großformatige Fräs- und Portalbearbeitungszentren, Tieflochbohrtechnik sowie Schleif- und weitere Bearbeitungsmöglichkeiten zur Verfügung. Dadurch können wir die Prozesskette vom Rohmaterialzuschnitt über Wärmebehandlung, Fräsen, Tieflochbohren und Schleifen bis zur CNC-Komplett- und Oberflächenbearbeitung abdecken.

Gerade bei größeren Bauteilen aus S355J2+N sollte die Bearbeitungsfolge frühzeitig berücksichtigt werden. Umfangreicher Materialabtrag, vorhandene Eigenspannungen, Schweißprozesse und enge Maßtoleranzen können Einfluss auf die Fertigungsplanung nehmen. Spannstrategie, Bearbeitungsparameter und gegebenenfalls eine spannungsreduzierende Behandlung stimmen wir deshalb auf Bauteilgeometrie, Fertigungszustand und die geforderten Toleranzen ab.

Noch unsicher?

Werkstoffalternativen

S355J2 ist ein vielseitiger Baustahl, aber nicht für jede Anwendung automatisch die beste Wahl. Je nach Einsatztemperatur, geforderter Zähigkeit, Korrosionsbeanspruchung, Festigkeit und geplanter Weiterverarbeitung können andere Werkstoffe oder Güten innerhalb der S355-Reihe sinnvoller sein.

  • S355JR kann eine Alternative sein, wenn eine Kerbschlagarbeit von 27 J bei +20 °C ausreichend ist. Der Werkstoff gehört ebenfalls zur Festigkeitsklasse S355, stellt jedoch geringere Anforderungen an die nachgewiesene Zähigkeit bei niedrigen Temperaturen.
  • S355J0 liegt hinsichtlich der Kerbschlagprüfung zwischen S355JR und S355J2. Hier werden mindestens 27 J bei 0 °C gefordert. Der Werkstoff kann daher interessant sein, wenn die Anforderungen über S355JR hinausgehen, eine Prüfung bei −20 °C jedoch nicht erforderlich ist.
  • S355K2 stellt höhere Anforderungen an die Zähigkeit. Während bei S355J2 mindestens 27 J bei −20 °C gefordert werden, sind es bei S355K2 mindestens 40 J bei −20 °C.
  • S355N oder S355NL können sinnvoll sein, wenn ein normalisierter Feinkornbaustahl mit weitergehenden Anforderungen an die Zähigkeit benötigt wird. Diese Werkstoffe gehören zu den normalgeglühten beziehungsweise normalisierend gewalzten Feinkornbaustählen nach EN 10025-3. S355NL ist beispielsweise für deutlich niedrigere Prüftemperaturen ausgelegt als S355J2.

Wenn dagegen eine gezielte Härtung, eine höhere Festigkeit über den gesamten Bauteilquerschnitt oder besondere Verschleißeigenschaften benötigt werden, kann ein Vergütungs-, Einsatz- oder Werkzeugstahl besser zur Anwendung passen. Neben S355J2+N bearbeiten wir unter anderem C45, 42CrMo4, 16MnCr5 sowie verschiedene Werkzeugstähle.

Bei erhöhten Korrosionsanforderungen ist außerdem zu berücksichtigen, dass S355J2 ein unlegierter Baustahl und kein nichtrostender Edelstahl ist. Abhängig von den Einsatzbedingungen können deshalb ein geeigneter Oberflächenschutz oder ein korrosionsbeständiger Werkstoff erforderlich sein.

S355J2 / 1.0577 bei Degler bearbeiten lassen

S355J2 / 1.0577 ist ein vielseitiger Baustahl für Maschinenbauteile, Platten, Rahmen und weitere Konstruktionsteile. Die Kombination aus Festigkeit, Zähigkeit und guter Schweißeignung macht den Werkstoff für zahlreiche mechanisch beanspruchte Bauteile interessant. Mit S355J2+N steht zudem ein normalgeglühter beziehungsweise normalisierend gewalzter Lieferzustand zur Verfügung.

S355J2+N gehört zu den von uns regelmäßig verarbeiteten Werkstoffen. Je nach Bauteil übernehmen wir den Materialzuschnitt, das Fräsen, Bohren und Tieflochbohren, Schleifen und Schweißen sowie weitere Wärme- und Oberflächenbehandlungen. Auch größere Platten und komplexe Zeichnungsteile können wir innerhalb einer abgestimmten Fertigungskette bearbeiten.

Wenn Sie ein Bauteil aus S355J2 planen oder prüfen möchten, ob S355J2+N für Ihre Anwendung geeignet ist, unterstützen wir Sie bei der Werkstoffauswahl und fertigungsgerechten Umsetzung. Dabei betrachten wir Material, Bearbeitungsfolge und spätere Funktion des Bauteils gemeinsam, um eine technisch und wirtschaftlich passende Lösung zu finden.

FAQ: Häufig gestellte Fragen zu S355J2 (1.0577)

Welche Werkstoffnummer hat S355J2?

Die Werkstoffnummer von S355J2 lautet 1.0577. Als historische Bezeichnung nach der inzwischen zurückgezogenen DIN 17100 findet sich außerdem St 52-3 N.

Das S kennzeichnet einen Stahl für den Stahlbau. 355 steht für eine Mindeststreckgrenze von 355 MPa bei den dafür maßgeblichen geringeren Materialdicken. J2 bedeutet, dass eine Kerbschlagarbeit von mindestens 27 J bei −20 °C gefordert wird.

+N kennzeichnet den Lieferzustand und steht für normalgeglüht beziehungsweise normalisierend gewalzt. S355J2 und S355J2+N werden beide unter der Werkstoffnummer 1.0577 geführt. Wir verarbeiten insbesondere S355J2+N regelmäßig für Platten und Zeichnungsteile.

S355J2 wird für tragende Konstruktionen und mechanisch beanspruchte Bauteile eingesetzt. Wir bearbeiten den Werkstoff beispielsweise zu Maschinenplatten, Grundplatten, Montage- und Aufspannplatten, Vorrichtungsplatten, Rahmen, Gestellen und weiteren Zeichnungsteilen für den Maschinen-, Anlagen- und Vorrichtungsbau.

Ja. S355J2 beziehungsweise S355J2+N lässt sich mit üblichen Verfahren wie Sägen, Fräsen, Bohren und Schleifen bearbeiten. Wir verarbeiten S355J2+N regelmäßig in der CNC-Fertigung. Die konkreten Bearbeitungsparameter stimmen wir auf Bauteilgeometrie, Lieferzustand, Materialdicke und die geforderte Oberflächenqualität ab.

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